Geschichte

Auf Anregung der Vereinigung ‘D’Frënn vam Ourdall’ und im Bewusstsein, dass eine Naturparkstruktur die Interessen der Region besser vertreten bzw. Aufgaben und Projekte übernehmen kann, bei denen einzelne Gemeinden überfordert wären, schlossen sich am 10. August 1992 5 Gemeinden (Heinerscheid, Hosingen, Putscheid, Vianden, Weiswampach) zum interkommunalen Verband SIVOUR (Syndicat Intercommunal de la Vallée de l’Our) zusammen (arrêté grand-ducal du 10 août 1992, Mémorial B-43, p. 825).

Im Februar 1995 (arrêté grand-ducal du 13 février 1995, Mémorial B-15 du 13 mars 1995, p. 414) kamen 5 weitere Gemeinden (Bastendorf, Consthum, Fouhren, Hoscheid, Munshausen) hinzu. Anfang 1998 (arrêté grand-ducal du 27 février 1998, Mémorial B-18 du 31 mars 1998, p. 492) erweiterte sich das Syndikat um die Gemeinden Clervaux, Troisvierges und Wilwerwiltz. Das SIVOUR-Gebiet umfasste damit 13 Gemeinden, eine Fläche von 327 km2 und eine Bevölkerung von rund 14.000 Einwohnern.

1993 wurde ein spezielles Naturparkgesetz (loi du 10 août 1993 relative aux parcs naturels) verabschiedet. Im Frühjahr 1994 ergriff das SIVOUR die Initiative und bat das für Naturparke zuständige Landesplanungsministerium, die Prozedur zur Naturpark-Gründung anlaufen zu lassen. Eine gemischte Arbeitsgruppe aus Staats- und Gemeindevertretern (Groupe mixte Etat / SIVOUR) war für die Planung des zukünftigen Naturparks Our zuständig (Règlement grand-ducal du 22 janvier 1997, Mémorial A-8 du 13 février 1997, p. 569 und Règlement grand-ducal du 21 mai 1999, Mémorial A-80 du 22 juin 1999, p. 1704).

Grundlage für die rechtliche Schaffung des Naturparks ist die Ausarbeitung eines Entwicklungskonzeptes ("étude détaillée"), einer Art Aktionsprogramm mit Zielen und Projektideen für die nächsten 10 Jahre. Um den Interessen der Anwohner Rechnung zu tragen, hat sich die gemischte Arbeitsgruppe für eine konsequente Bürgerbeteiligung entschieden und das Entwicklungskonzept ist unter Einbindung interessierter Bürger, Gemeindevertreter, Verwaltungen, Vereinen, Interessengruppen erstellt worden. Im Dezember 2003 wurde dieses Dokument den Naturpark-Anwohnern während 3 Informationsabenden vorgestellt. Parallel lag das Dokument in den 13 SIVOUR-Gemeinden zur Begutachtung aus. Nach Ablauf der öffentlichen Prozedur erfolgt die Naturpark-Anerkennung durch ein großherzogliches Reglement. Dies nach obligatorischer Begutachtung des Verordnungsvorschlages durch den Staatsrat und Zustimmung der Arbeitskommission der Abgeordnetenkammer. Der Naturpark Our wurde durch die großherzogliche Verordnung vom 9. Juni 2005 (Mémorial A-92, p. 1676) offiziell anerkannt.

Parallel zu dieser Konzeptarbeit hatte das SIVOUR seit 1998 bereits etliche Projekte in Angriff genommen: Landwirtschaftsberatung, Vermarktungs-projekte, Versuchsfelder, Produktkriterien, Rundwege Champs Elysées / Kalborn und der Klangwanderweg Hoscheid, Pflanzenbörse Stolzemburg, Buchfestival Vianden, Energiekonzept, Urbanismuskonzept, INTERREG-Projekte/Our-Renaturierung, Our-Info, Naturparkkalender, Begleitung von Gemeindeprojekten, Landschaftsrahmenplan, Messeauftritte, Homepage, Biologische Station, etc.

Anfang 2014 ist eine 10-Jahres-Bilanz zwecks der Weiterführung des Naturparks erstellt worden und alle damaligen Naturparkgemeinden haben ihre allgemeine Zustimmung zum Beitritt der Gemeinde Wincrange gegeben. Im Juni 2014 ist die „Etude préparatoire“ durch den NP-Vorstand validiert und öffentlich in Wincrange vorgestellt worden. Und im November 2014 ist schlussendlich die Anpassung der "étude détaillée" veröffentlicht worden.

Aufgaben

Die Ziele eines Naturparks sind laut Naturparkgesetz (Art. 2):

  • der Erhalt und die Wiederherstellung der Eigenart und Vielfalt der natürlichen Umwelt, der einheimischen Flora und Fauna,
  • der Schutz der Reinheit von Luft und Wasser sowie der Bodenqualität,
  • der Erhalt und die Wiederherstellung des kulturellen Erbes,
  • er Förderung und Orientierung einer ökonomischen und sozio-kulturellen Entwicklung, die die legitimen Ansprüche der Bevölkerung hinsichtlich ihrer Erwerbsmöglichkeiten, Lebens- und Wohnumfeld-qualität mit einbezieht,
  • die Förderung und Orientierung von Tourismus- und Freizeitaktivitäten im Rahmen der genannten Zielsetzungen

Damit ist ein Naturpark in Luxemburg eine Plattform für die nachhaltige Entwicklung einer Region: als eine Art Qualitätssiegel für die Region soll der Naturpark dazu beitragen, regionale Besonderheiten und Produkte, kulturelle und touristische Aktivitäten verstärkt zu vermarkten und dadurch zusätzliche wirtschaftliche Impulse zu setzen und den Bewohnern gleichzeitig eine verbesserte Lebensqualität zu bieten. Dies unter besonderer Berücksichtigung von Umwelt- und Naturschutzbelangen.